18.11. – 21.11.2026
Villa For Forest
Stammgäste des New Adits Festivals wissen, dass Überraschung die einzige Konstante im Festivalprogramm ist. Hier geht es nicht darum, Gewohnheiten zu bedienen oder Bewährtes zu wiederholen. Sondern darum, sich auf ein viertägiges Abenteuer einzulassen, in all seiner Vielfalt und mit all seinen Kontrasten. Dieses Prinzip verlangt von den Festivalbesucher:innen Offenheit und Beweglichkeit. Und es belohnt sie mit einem einzigartigen Musikerlebnis.
Mit seiner sechzehnten Ausgabe lädt New Adits erneut dazu ein, in ein extrem spannendes Programm einzutauchen. Austragungsort des Festivals ist wieder die bewährte Villa For Forest. Zu erwarten sind starke künstlerische Statements und besondere musikalische Entwürfe. Wir erleben Grenzüberschreitungen am Klavier, eine Session für improvisierte Musik, eine Klangreise mit Violine und Gitarre, elektroakustische Soundscapes, ein historisches Blasinstrument, experimentellen Turntablism, handgemachte Clubmusik und vieles mehr.
Mi.18.11.
Der Kontrabassist, Komponist und Improvisator Adam Pultz Melbye ist artist in residence des New Adits Festivals. Zur Eröffnung der diesjährigen Ausgabe wird Pultz Melbye sein Projekt The Spectral Parrot vorstellen. Dabei handelt es sich um ein etwa zwei Meter hohes Instrument mit acht Saiten. The Spectral Parrot stimmt sich permanent selbst und reagiert auf mysteriöse Art und Weise auf seine Umgebung und auf sich selbst. Das Publikum wird gleichermaßen zu Zeug:innen und zu Teilnehmer:innen eines klanglichen Lernprozesses.
Georg Zichys Interesse am Geräusch ist physischer, nicht wissenschaftlicher Natur. Noise ist für den gestandenen Klangartisten rohe, nur mühsam kanalisierte Energie, oder die zärtliche Haptik sensibel mikrophonierter Objekte. Mit seiner Musik denkt er Rock, Dub oder Ambient konsequent zu ende und reduziert sie auf ihre Essenz.
Elisabeth Harnik zählt zu den starken Stimmen in der zeitgenössischen Musik Europas. In ihren Improvisationen spielt die studierte Pianistin mit dem Unerwarteten. Das eigene künstlerische Vokabular stellt sie dabei immer wieder zur Disposition. Mit viel Körpereinsatz geht Harnik in den Dialog zwischen Trainiertem und Intuition.
Wer an einer Improvisationssession unter der Leitung der Pianistinnen Elisabeth Harnik und Ingrid Schmoliner teilnimmt, begibt sich in ein Spannungsfeld sehr unterschiedlicher Positionen. Schmoliner steht für musikalische Statements mit klarer Thematik. Eine vollendete Spieltechnik ermöglicht ihr Interventionen von hoher Präzision. Elisabeth Harnik geht es um Grenzüberschreitung, um das in Frage stellen musikalischer Gewohnheiten. Von beiden Künstlerinnen sind spannende Impulse zu erwarten.
Do.19.11.
Eine gänzlich barrierefreie Musik spielt das Duo SquarEars. Gitarrist Sebastian Elias Weiss und Geiger Paul Zlattinger schöpfen mit vollen Händen aus einer Fülle von Musikkulturen und Stilistiken. Dem nahtlosen Strom ihrer brillanten musikalischen Einfälle zu folgen, bereitet grösstes Vergnügen.
Die Liste der Projekte und Kooperationen, an denen der Elektronikmusiker Gaudenz Badrutt beteiligt ist, macht schwindelig. Extrem wandlungsfähig und versiert wechselt Badrutt von comicartigen Cutups zu Collagentechniken, Noise Layers, elektroakustischen Soundscapes und wieder zurück. Wie er sich dabei sein unmittelbar erkennbares künstlerisches Profil erhält, bleibt sein Geheimnis.
Mit welchem Blasinstrument erzeugt Berlinde Deman bloß diesen unvergleichlich warmen Bassbariton? Womit spielt sie ihre sehnsuchtsvoll verwehten Melodien? Es ist ein Serpent, der schlangenförmige Vorläufer der Tuba. Die Tubistin Deman erzeugt mit diesem historischen Instrument eine nachtschwarze Musik, die sich jedem Zeitgefühl entzieht.
Lucy Railton ist ein Star, der international von Avantgarde-Festivals und –Projekten herumgereicht wird. Mit ihren schlichten, eindringlichen Livesets trifft die Cellistin und Elektronikmusikerin den Ton und Nerv der Zeit. Unprätentiös und effizient erzeugt Railton Tiefe, Struktur, Reibung und Unendlichkeit.
Am Nachmittag werden Lucy Railton und der Komponist Scott Cazan ihre künstlerischen Praktiken und Perspektiven im Rahmen der Vortragsreihe „The Between Things“ an der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik vorstellen. Es geht um künstlerische Intention, Verantwortung und den Einsatz von Technologie. Im Anschluss an die Vorträge wird ein Roundtable stattfinden. Nähere Infos hier: https://notes.gmpu.ac.at/event/the-between-things-no-4/
Fr.20.11.
Der Komponist und Erfinder Adam Pultz Melbye präsentiert ein weiteres Instrument, das von ihm erdacht und konstruiert wurde: Den Feedback-Actuated Augmented Bass, kurz FAAB. Hierbei handelt es sich um einen Kontrabass, der mittels eingebautem Verstärker, Speaker und Mikroprozessor ein Eigenleben entwickelt. Ein Konzert mit dem FAAB ist wie ein faszinierender Dialog zwischen Musiker und Instrument.
In seinen Solosets zeigt Peter Herbert den wahren, harmonischen Reichtum des Kontrabasses. Jazz ist bei Herbert nur ein Schätzwert. Pop, Balladeskes oder die Kunst der Fuge liegen nur einen Steinwurf entfernt. Mit seinem lyrischen Spiel bringt Peter Herbert den warmen Klang seines Instruments zur vollen Entfaltung.
Zeitgenössische Musik ist bei Nava Hemyari sinnlich und nahbar. Mit ihrem erfrischend unakademischen Ansatz schafft die Komponistin und Stimmkünstlerin Stücke voller Dynamik, Humor und Leidenschaft. Hemyaris Stimmvolumen ist enorm. Ihre selbstvergessene Performance begeistert.
Handgemachte Clubmusik gibt es in vielen Facetten. Sehr originelle Entwürfe liefert Sixtus Preiss. Souverän umschifft der Schlagzeuger mit seinen Tracks alle Klippen der Cheesiness. Bei ihm sind Bässe und Noises authentisch, die Grooves bestechend. Und richtig Spaß machen die Versuchsanordnungen seiner Setups. Dubstep mit Zither hört man nicht alle Tage.
Unter den Händen von Yuzu aka Milena Georgieva durchlaufen Klänge eine schier endlose Reihe faszinierender Metamorphosen. Zielstrebig lenkt die Künstlerin die Evolution ihrer Musik per Modularsynthesizer durch ihre Entwicklungsstadien. Ihr dabei zu folgen, bedarf keiner bewussten Entscheidung. Ihre Hörerschaft zieht Yuzu mühelos hinein in den Prozess.
Sa.21.11.
Kraftvoll und expressiv sind die Vibraphon-Improvisationen von Andria Nicodemou. Die studierte Perkussionistin verfügt über große musikalische Beweglichkeit, einen starken Ausdruck und hohe physische Präsenz. Zur Lebenslinie der Künstlerin gehört eine beeindruckende Liste von Kooperationspartner:innen aus der Welt des Jazz und der experimentellen Musik.
Wie es scheint, verfügen die Sängerin und Klarinettistin Isabelle Duthoit, die Schlagzeugerin Yuko Oshima und die Cellistin Soizic Lebrat über geheime Kommunikationskanäle. Anders lässt sich die intuitive Interaktion zwischen den drei Improvisatorinnen der Gruppe rouge kaum erklären. Wie ein einheitlicher Klangkörper umkreisen sie musikalische Ideen und geben jedem Klangereignis den nötigen Raum.
2025 krankheitsbedingt ausgefallen, nun endlich im Programm: Wenn Clara Frühstück und Oliver Welter ihre gefeierte Adaption von Schuberts Winterreise performen, dann sind sie dabei weder vorsichtig noch subtil. Im Gegenteil, ihre Sicht auf den berühmten Liederzyklus ist hemmungslos, emotional und subjektiv. Und, merkwürdig, gerade damit werden sie der Winterreise gerecht, damit treffen sie den Kern des Ganzen.
Mieko Suzuki verbindet experimentellen Turntablism mit geräuschhafter Elektronik zu einer eigenen Klangsprache. In ihren spannungsreichen Sets stellt sie das Überwältigende dem Subtilen gegenüber. Suzuki ist verwurzelt in der Klangkunstszene Berlins und fühlt sich im Club ebenso zuhause wie in Tanz- oder Theaterkontexten.

